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Schweigen ist Goldfisch von Annabell Pitcher

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Herausgeber: Fischer Sauerländer
Erschienen: 25.05.2016
ISBN  978-3737353755
Länge: 464 Seiten

Inhalt:

Eines Tages findet die 15 -jährige Tess die Wahrheit über ihre Herkunft heraus. Und nicht nur das – zufällig stößt sie am Computer ihres Vaters auf einen Blogeintrag, den er verfasst hat. Tess fühlt sich völlig vor den Kopf gestoßen. Ist ihr ganzes Leben eine einzige Lüge gewesen? Zusammen mit ihrer Kindertaschenlampe läuft sie weg, Bei einer Fünfzehnjährigen klingt das Wort „Kindertaschenlampe“ eigenartig zumindest versucht sie es. Doch noch in derselben Nacht findet sie sich wieder zu Hause in ihrem Bett wieder. Eine Lösung muss her. Doch welche?

Zutiefst verletzt von dem Blogeintrag ihres Vaters und den Lügen ihrer Eltern hört Tess auf zu sprechen und lernt dadurch eine völlig andere Welt kennen. Ihre Mitmenschen reagieren nämlich total verschieden auf Tess’ Schweigen. Sie verletzt unabsichtlich ihre beste Freundin und steht bald allein da. Ganz allein? Nein, denn die Mitschüler und selbst die Lehrer offenbaren bald ein ganz neues Gesicht und bald scheint es von Tess’ Beobachterposten so, als würde jeder jeden auf unterschiedlichste Art nur belügen und benutzen. Tess ist schockiert. Menschen, die sie vorher für fehlerlos gehalten hat, offenbaren ihre Abgründe und der makellose Schwarm der Schule ist eher auf seine ganz eigene Art makellos. Zwischen all den verschrobenen Menschen, die krampfhaft an ihrer schönen Fassade und den Lügen festzuhalten versuchen. Nebenher versucht Tess natürlich mehr über ihre Herkunft herauszufinden.

Ihr neuer Lehrer, Mr. Richardson, scheint auffällig viele Gemeinsamkeiten mit Tess zu haben. Also hängt sie sich an ihn heran, um möglichst viel über ihn und ihren potentiellen Halbbruder Henry- herauszufinden, wobei sie schon mal die Grenze des Gesetzes überschreitet. Denn selbst der coole Lehrer ist gar nicht so cool, wie er vorgibt zu sein. Tess will schon fast gar nicht mehr, das er ihr biologischer Vater ist. Vielleicht ist sie bei ihrem Vater doch am besten aufgehoben?

Am Ende scheint alles zu eskalieren und Tess weiß sich nicht mehr zu helfen, denn wie wehrt man sich, wenn man nicht spricht? Wann ist sie zum Spielball ihrer Mitmenschen geworden?
Dabei stets mit guten Ratschlägen an ihrer Seite: Mr. Goldfish, ihre Kindertaschenlampe. Scheinbar der einzige Freund, der immer ehrlich ist zu ihr. Ihr Licht im Dunkeln.

Blöd nur, das man als Teenager lieber mit seinen Mitmenschen, anstatt mit einer Taschenlampe reden sollte. Und Mr. Goldfisch kann Tess, als es ernst wird, auch nicht mehr aus der Patsche helfen, denn am Ende kann Tess sich nur selbst helfen.

Ein Buch über die Macht des Schweigens, die Hässlichkeit von Lügen und die Macht der Worte.

Meinung:

Tess ist einer dieser Charaktere, die man aus dem Buch ziehen und einmal kräftig durchschütteln will. Denn so beeindruckend die Willensstärke auch ist, die notwendig ist, um das Sprechen einzustellen, so schrecklich ist es auch zu lesen, was ihre Mitmenschen ihr alles antun. “Sprich doch einfach!”, möchte man schreien. Und das bei allem, was vorfällt. Als sie ihre beste Freundin verliert, einfach weil Tess nicht in der Lage ist, sich zu erklären oder sich jemandem anzuvertrauen. Die Lösung zu allem wäre so einfach: einfach sprechen.

Und doch, wer von uns hat nicht schon einmal den Wunsch verspürt, einfach nichts mehr zu sagen? Gar nichts mehr? Sei es, weil man wie Tess verletzt wurde oder weil man zu den Mitmenschen, die nur allzu gern die Augen vor der Wahrheit verschließen, ohnehin nicht durchdringt. Deswegen fand ich es in diesem Buch höchst interessant, Tess‘  Weg mitzuverfolgen, die Reaktionen der Mitmenschen auf ihre situationsbedingte Reaktion zu sehen und welche (großen) Probleme, so ein Schweigen doch nach sich zieht.

Tess weiß plötzlich Dinge über ihre Lehrer, die sie lieber nicht wissen will. Freunde und Mitschüler zeigen plötzlich ihr wahres Gesicht. Ebenso wie der Schulschwarm, der längst die Nase voll hat von kichernden und flirtenden Mädchen und lieber Zeit mit der stillen Tess verbringt, die offensichtlich so ganz anders ist.

Alles in allem eine nette Geschichte, die einen durchaus in ihren Bann ziehen kann und ein paar neue Gedanken und Fragen aufwirft. Einen Punkt Abzug gibt es, weil Tess teilweise wirklich eine Nervensäge ist und das Buch teilweise etwas sehr kindisch war. Von der Idee einer sich ins Schweigen flüchtenden Protagonistin hatte ich mir mehr versprochen.

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