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Schattenmann – Interview zu Coronazeiten

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Da uns als Musikmagazin tausend Fragen durch den Kopf schwirren, haben wir die Jungs von Schattenmann gefragt, was sie so in der Coronazeit beschäftigt. Wir wissen ja auch, dass es für die Fans und Konzertliebhaber eine schwere Zeit ist, jedoch sollte man die Bands, Künstler und Clubs nicht vergessen, die gerade unter den Einschränkungen leiden. Wir hoffen, dass Frank uns einen kleinen Einblick verschafft, was ein Künstler in dieser Zeit durchmachen muss, wie sehr die Beschränkungen auf das Bandgeschehen einwirken und ob man seiner Lieblingsband, seinem Lieblingskünstler oder Lieblingsclub irgendwie unter die Arme greifen kann.

Moin Frank, ich hoffe dir, den Jungs und euren Lieben geht es gut.

Hallo zusammen. Danke der Nachfrage, uns geht es allen gut und soweit ist den Umständen entsprechend auch alles in Ordnung.

MG: Uns würde interessieren, wie ihr mit den Einschränkungen zu Coronazeiten als Band umgeht und wie ihr zu diesen Maßnahmen steht?

Frank: Natürlich sind wir wenig begeistert von der gesamten Situation und von den einhergehenden Maßnahmen, aber wir halten uns daran und versuchen, das Beste daraus zu machen. Das ist eine noch nie dagewesene Situation und oberste Priorität ist der Schutz unser aller Gesundheit. Dazu muss jeder seinen Beitrag leisten, auch wir Schattenmänner.

MG: Inwieweit greifen die Beschränkungen in den normalen Ablauf als Band ein?

Frank: Die Maßnahmen haben komplett ins Bandleben eingegriffen. Es gibt quasi keinen normalen Ablauf mehr. Wir können nicht mehr regelmäßig proben, müssen alles anders planen und koordinieren. Man hängt viel am Telefon und versucht jeden Tag, aufs Neue an Informationen zu kommen, denn es hängt gerade jeder in der Luft. Keiner weiß, wann und wie es wieder losgeht und in welcher Form es vonstatten geht. Man braucht für alles einen Plan B, C und D. Das ist super nervig und planen kann man einfach nichts momentan.

MG: Ich weiß, über Geld spricht man eigentlich nicht! Ihr hattet ja Auftritte geplant, ob im Club oder auf Festivals. Viele wissen nicht, was eine Band da so zu investieren hat, um dem Zuschauer das Live-Erlebnis zu ermöglichen. Könntest du für unsere Leser, damit sie sich das besser vorstellen können, erzählen, was da so an Kosten entstehen, wenn eine Tour ausfällt? (Wer wird benötigt, Was wird gebucht, usw.)

Frank: Da hängt ein gigantischer Rattenschwanz dran. Das fängt bei der Buchung der Location an und hört bei der Logistik auf. Das kann man hier gar nicht alles aufführen. Nur die Band und die unmittelbare Crew umfassen neun Leute. Alleine nur die Reise- und Hotelkosten belaufen sich da schnell mal auf 800 und 1000 Euro, je nach Stadt und Distanz. Dazu noch die Kosten für das aktuelle Bühnenbild, Lichtshow und unsere Crew möchte auch gerne bezahlt werden. Das kostet alles einen Haufen Kohle. Wir konnten zum Glück fast alles stornieren, was Hotels etc. angeht, aber wir haben eben auch keine Einnahmen, um Proberaummiete, Lagermiete und alle laufenden Kosten zu decken. Das frisst ein ganz schönes Loch in die Bandkasse.

MG:Seht ihr in naher Zukunft eine Möglichkeit, die Verluste wieder einzufahren?

Frank: Wir hoffen, dass wir bald wieder auftreten dürfen, uns unsere Fans unterstützen und in Scharen zu den Gigs kommen. Vielleicht kommen wir so zumindest wieder ein wenig aus den roten Zahlen, aber komplett ausgleichen werden wir das nicht können, dafür ist bisher schon zu viel ausgefallen.

MG: Habt ihr durch eure Jobs den Lebensunterhalt gesichert oder musstet ihr wegen Corona auch eine Beihilfe beantragen?

Frank: Jan hat glücklicherweise einen normalen Job, mit dem er seinen Lebensunterhalt verdient, Luke studiert und arbeitet ebenfalls. Nur Nils und ich leben zu 100 % von der Musik. Wir beide haben zum Glück noch unseren Musikunterricht, der uns irgendwie durchkommen lässt.

MG: Wie können euch eure Fans in dieser Zeit unterstützen?

Frank: Jedes Shirt, dass im Schattenmann Shop bestellt wird, hilft, aber vor allem können uns unsere Fans nach der Krise unterstützen, indem sie auf die Konzerte kommen.

MG: Was wünscht ihr euch von euren Fans in diesen Tagen?

Frank: Unsere Fans sind echt der Wahnsinn und man hat uns bereits soviel an Solidarität und Unterstützung entgegengebracht, dass wir uns eigentlich nur eines wünschen: Wir wollen wieder mit EUCH allen zusammen unvergessliche Konzerte erleben!

MG: Es gibt ja zahllose Menschen, die gegen die erlassenen Beschränkungen sind, Corona als Lüge abtun und so weiter. Habt ihr als Band auch mit solchen Personen in eurer Follower-Liste zu tun und wie geht ihr mit solchen Personen um?

Frank: Die sozialen Medien sind voll damit und man stolpert zwangsläufig über derartige Posts. Es soll sich gerne jeder seine Meinung bilden und seine Meinung zu dem Thema haben, es sei denn, bei fremdenfeindlichen, rassistischen, faschistischen oder rechten Posts. Wenn wir sowas sehen oder andere Scheiße in der Richtung, distanzieren wir uns sofort und die Person fliegt im hohen Bogen aus der Freundesliste.

MG: In Hamburg und vielen anderen Städten hört man, dass gerade die kleinen Clubs unter den Konzertabsagen leiden. In Hamburg soll der Clochard wohl für immer seine Türen schließen. Wie sieht es in eurer Gegend aus, stehen da auch Clubs vor dem Aus?

Frank: Zum Glück haben wir aus unserer Region noch nichts gehört und hoffentlich bleibt das auch so, denn die Clublandschaft ist sowieso schon nicht sehr groß in Nürnberg und Umgebung.

MG: Arbeitet ihr schon an einem neuen Album oder könnt ihr das wegen der Beschränkungen nicht?

Frank: Es wäre eine Katastrophe, wenn wir nicht einmal unserer Kreativität freien Lauf lassen könnten. Das ist momentan so ziemlich der einzige Lichtblick.

MG: Wenn man auf Youtube schaut, sieht man Rehearsals, Live-Konzerte vor teilweise exotischen Kulissen und unter Auflagen oder was auch immer den Künstlern gerade in den Kopf kommt. Warum habt ihr euch für einen Podcast entschieden?

Frank: Jan kam auf die Idee mit dem Podcast, aber schon vor Corona. Das war einfach ein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen. Außerdem sind wir etwas gespalten, was ein Onlinekonzert betrifft. Wer schon einmal auf einem Schattenmann Konzert war, weiß, dass wir eine super aufwändige Bühnenshow haben und wir auch sehr viel mit unserer speziellen UV Lichtshow machen. Das in einem Onlinekonzert zu realisieren und das Schattenmann Flair rüberzubringen ist mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden. Entweder ganz oder gar nicht und so haben wir uns für den Podcast entschieden. Aber auch die Möglichkeit, jeden einzelnen von uns durch den Podcast besser kennen zu lernen und den Leuten etwas über uns persönlich zu erzählen, war uns ein Anliegen. Wir werden den Podcast nach Corona auch nicht einstampfen. Uns macht das super viel Spaß und unserer Hörer haben auch Spaß damit.

MG: Was sonst beschäftigt euch diese Tage?

Frank: Uns beschäftigt alle die Frage, wie es denn weiter geht und ab wann wieder Normalität einkehrt.

Wenn ich noch was Wichtiges vergessen habe, das ihr erwähnen wollt, dann könnt ihr das gerne jetzt machen. Ich bedanke mich für das Interview und dass ihr Zeit für unsere Fragen gefunden habt. Musicghouls freut sich darauf, euch hoffentlich bald wieder Live sehen zu können.

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